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Geschrieben von: Angelika Reichmuth
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Stresstest – Wort oder Unwort des Jahres?
Das Institut für Deutsche Sprache hat das Wort „Stresstest“ zum Wort des Jahres 2011 gekürt. Angesichts von Bankenkrise, Atomkraftkatastrophe und allgemeinem Schülerversagen hatte das Wort in diesem Jahr Hochkonjunktur. Die Vertreter der Gesellschaft für Deutsche Sprache bezeichnen den aus zwei englischen Wörtern zusammengesetzten Begriff als „griffig, wertneutral, vielseitig“ und„sprachlich äußerst produktiv“, da er sich auf immer neue Bereiche anwenden lasse.
Ursprünglich stammt das Wort Stresstest aus der Humanmedizin und taucht dort in den 90er Jahren auf. Ärzte verstehen unter Stress eine körperliche und/oder seelische Belastung. Sie ermitteln mit Hilfe eines Testes, wie ein Patient körperlich auf Stress reagiert. Das ist eine wissenschaftliche Untersuchungsmethode mit objektiv messbaren Werten.
Jedoch hat sich der Stress verselbständigt. Das Wort „Stress“ hat in unserer Gesellschaft schon seit langem Dauerkonjunktur und wird gerne inflationär für jede Form der Belastung oder Anstrengung benutzt. Stressig ist mittlerweile fast alles: der Unterricht in der Schule für Lehrer aber auch Schüler, die Reizüberflutung in der Medienwelt, das Aushalten einer Partnerschaft und die Trennung vom Partner, zu viel oder zu wenig Zeit zu haben und der Weihnachtseinkauf sowieso. Besonders stressig wird es, wenn der Stress im Urlaub nachlässt. Kein Wunder also, dass auch das Wort „Stresstest“ so beliebt ist, denn wer Stress hat, ist automatisch einem Stresstest durch das Leben ausgesetzt.
Während der Schlichtung zum umstrittenen Bahnprojekt Stuttgart 21 ging das Wort in den normalen Sprachgebrauch ein. Nun drohen auch dort schon wieder neue Stresstests. Der baden-württembergische Verwaltungsgerichtshof stoppte vorläufig das Bauprojekt, nachdem sich Naturschützer für den Juchtenkäfer starkmachten, dem durch die Bauarbeiten massiver Stress droht. Um dem kleinen Tier diesen Stresstest zu ersparen, gingen die Vertreter der Naturschutzorganisation BUND auf die Barrikaden, was wiederum einen extremen Stresstest für die Manager der Deutschen Bahn bedeutet.
In Anbetracht der Beliebigkeit des Wortes „Stresstest“ würde es also wahrscheinlich auch niemanden verwundern, wenn der Begriff zum Unwort des Jahres gekürt worden wäre.
Mehr dazu bei der Gesellschaft für Deutsche Sprache
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